Warme Decken und Proteste
Die Raucher müssen sich jetzt radikal umstellen. Seit einer Woche greift nun schon das Rauchverbot.
Während es in vielen Speiselokalen in Stadt und Landkreis mit der Durchführung des neuen Gesetzes kaum Probleme gibt, klagen besonders die Wirte von Kneipen und Dorfwirtschaften. Sie fürchten nach wie vor um ihre Existenz.
Rosenheim/Landkreis – Manche ignorieren aus diesem Grund ganz einfach das Rauchverbot und lassen ihre Gäste ungehindert weiter qualmen. Deshalb ist auch beim Rosenheimer Ordnungsamt bereits die erste Beschwerde eingegangen.
Am rigorosesten wird das Rauchverbot in Bayern praktiziert. Während Raucher in allen anderen Bundesländern ihrem Laster zumindest in abgetrennten Nebenräumen frönen dürfen, müssen sie bei uns vor die Tür, außer sie bilden geschlossene Gesellschaften und sperren dann die Nichtraucher aus.
Die Umsetzung des Rauchverbotes wird in den Gaststätten der Region ganz unterschiedlich gehandhabt. Einige Wirte haben vor ihren Räumlichkeiten wärmende Decken für die Raucher ausgelegt, andere setzen auf Heizpilze im Freien oder überdachte Terrassen. «Wir wollen uns diese Kundenschicht halt auch nicht vergraulen», meint etwa eine Rosenheimer Wirtin. Allerdings: Probleme mit den Rauchern habe es seit dem 1. Januar bisher noch nicht gegeben: «Bis jetzt ist in meinem Lokal alles völlig ruhig. Es kommen auch noch Raucher zu mir, die jetzt eben ins Freie gehen, um sich eine Zigarette anzuzünden».
Das bestätigt auch Barbara Kellner von der Erlebnisgaststätte am Erlensee in Schechen. «Der Übergang verlief völlig reibungslos», freut sich die Wirtin. Auch die Leute von Stammtisch hätten mit der neuen Regelung kein Problem: «Die gehen jetzt eben ins Freie. Aufregung gab es damit bisher überhaupt noch nicht.» Allerdings seien Raucher in ihrer Gaststätte schon seit vielen Jahren in der Unterzahl.
Keine Probleme mit wütenden Rauchern gibt es auch in der Rosenheimer Gaststätte «Zum Johann Auer». «In den vergangenen Tagen hat sich noch niemand aufgeregt», erzählt Wirt Toni Sket. Den Zigarettenautomaten und die Aschenbecher hat der Wirt bis jetzt allerdings noch nicht aus seinem Lokal verbannt: «Das würde ich dann wieder für übertrieben halten.» Der Zigarettenautomat sei jedoch schon lange kein Anziehungsmagnet mehr. «Früher wurde der Automat jede Woche aufgefüllt. Jetzt ist das nur noch einmal im Monat der Fall. Da hat sich schon einiges geändert», so Sket.
Wunsch nach Kompromisslösung
Während die Lage in den Speiselokalen größtenteils völlig entspannt ist, sieht es in vielen Kneipen und Dorfgaststätten im Landkreis ganz anders aus. In vielen dieser Lokalitäten setzt sich der Gästestamm aus rund 80 Prozent Rauchern zusammen. Dementsprechend schlecht ist dort zur Zeit die Stimmung. «Die Raucher sind unwahrscheinlich grantig», bringt es Wirt Nikolaus Kapsner von der gleichnahmigen Wirtschaft in Hochstätt auf den Punkt. Er sei nicht generell gegen den Nichtraucherschutz, fordere aber mehr Kompromiss-Bereitschaft von Seiten der Regierung: «Es muss doch möglich sein, ein Zimmer für die Raucher zu behalten. Schließlich sind das meine Räumlichkeiten. Da sollte ich auch frei entscheiden dürfen, was ich machen will».
Ein anderer Wirt aus dem Landkreis, der nicht genannt werden möchte, ruft sogar seine «Wirtskollegen und rauchenden Gäste zum Aufstand auf». «Bei mir wird trotz Verbots weiterhin geraucht. Wir können nicht zusehen, wie die Regierung uns unsere Entscheidungsfreiheit und Existenz nimmt», sagt der 54-Jährige. Weiterhin dürften bei ihm die Gäste rauchen: «Wenn das auch in allen anderen Gaststätten in Stadt und Landkreis der Fall wäre, könnte die Regierung doch dagegen kaum etwas unternehmen. Oder wollen Sie alle Gasthäuser in Bayern schließen?»
Auch in der Stadt Rosenheim gibt es Wirte, die das Rauchverbot bis jetzt noch ignorieren. Eine Beschwerde ist bereits beim Ordnungsamt der Stadt eingegangen. «Da hat uns ein Nichtraucher mitgeteilt, dass in einer Rosenheimer Kneipe weiterhin geraucht wird, ohne dass der Wirt eingreift», sagt Hermann Koch vom Ordnungsamt. Natürlich werde diesem Vorfall trotz «sechswöchiger Schonfrist» nachgegangen.
In Waldkraiburg, im Nachbarkreis Mühldorf hat sich ein Gastwirt etwas Besonderes einfallen lassen. Er sucht einen alten Wohnwagen als Domizil für seine qualmenden Gäste.

























