Das ist eine Katastrophe
Rosenheim – «Ich habe hier fast täglich geparkt. Ich weiß noch gar nicht, was ich im kommenden Jahr machen soll?», fragt sich ein Rosenheimer Arzt, dessen Praxis sich im Ärztehaus in der Salinstraße befindet.
Seine Unsicherheit in Sachen Parken teilen im Moment auch viele andere Autofahrer. Grund: 230 Stellplätze fallen mit dem Stichtag 1. Januar 2008 im Stadtgebiet weg, weil auf dem Beilhackgelände dann der Bau des Justizzentrums beginnen soll. Über zehn Jahre lang befand sich dort der BRK-Parkplatz. «Für uns bedeutet die Schließung eine Katastrophe», bringt es Josef Gaßl, Referatsleiter Administration und Liegenschaften des Roten Kreuzes, auf den Punkt. Denn dem Bayerischen Roten Kreuz (BRK) entsteht dadurch eine finanzielle Lücke von jährlich rund 60000 Euro.Das BRK hat den Grund neben dem Citydome gepachtet. Dass der Pachtvertrag irgendwann einmal auslaufen würde, stand von Anfang an fest. «Wir hatten ursprünglich nur mit zwei und drei Jahren gerechnet. Doch dann wurde die Zeit immer länger. Das hat uns natürlich sehr gefreut», so Gaßl. Überraschend sei das Ende des Parkplatzbetriebes darum nicht gekommen, trotzdem sitze der Schock jetzt bei den BRK-Leuten tief: «Es entsteht ein tiefes finanzielles Loch, für das wir im Moment überhaupt keinen Weg sehen, wie wir es schließen können.»
Der BRK-Parkplatz sei «unglaublich gut ausgelastet gewesen». In der Weihnachtszeit sei dort schon am Vormittag fast jeder Platz belegt. Besonders geschätzt wurde der Parkplatz von allen, die einen Arzt in der Salinstraße aufsuchen mussten. Denn über einen Durchgang waren die Ärzte in wenigen Minuten zu erreichen. «Das nutzten besonders die Leute, die nicht gut zu Fuß sind», erklärt Gaßl.
Außerdem seien auf dem Beilhackgelände auch immer jede Menge Dauerparker vertreten gewesen, darunter viele Ärzte aus der Salinstraße.
Der Gesamtumsatz des BRK-Parkplatzes betrug nach Worten Gaßls rund 300000 Euro jährlich. 65 Prozent der Einnahmen bekam die Stadt Rosenheim, weil die auch die Pachtkosten für das Grundstück in Staatsbesitz trug. Nach Abzug der Kosten, wie etwa für das Personal, blieben jährlich rund 60000 Euro für das Rote Kreuz übrig.
Mit Einnahmen
soziale Zwecke finanziert
Dieses Geld nutzte das BRK vor allem für die besonders arme Bevölkerungsschicht. «Wer sich das Essen auf Rädern nicht leisten konnte, dem haben wir es aus eigener Tasche finanziert. Das gleiche galt für viele andere Hilfsangebote, die von keiner anderen Stelle getragen wurde», sagt das BRK-Mitglied.
«Arm dran» seien auch die Parkplatzwächter, von denen sechs jetzt nicht mehr beschäftigt werden können. «Das sind Leute mit einer ganz knappen Rente. Die haben sich so das Geld dazu verdient, um einigermaßen über die Runden zu kommen. Sie haben wenig Chancen, eine neue Anstellung zu finden», meint Gaßl. Gekündigt worden seien nach seinen Worten ausschließlich die befristeten Arbeitsverträge. Langjährige Mitarbeiter wurden auf die anderen Parklätze des BRK, wie etwa am Salzstadel, umgelagert.
«Natürlich hat die Stadt Rosenheim für uns immer wieder ein offenes Ohr, aber dieses Problem kann sie auch nicht lösen», klagt er.
Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer weiß, dass der Parkplatz für die Stadt Rosenheim wichtig war: «Das BRK hat damit wesentlich zur Verbesserung der Parkraumsituation in unserer Stadt beigetragen.»
Zur teilweisen Kompensation des wegfallenden Parkraumangebots würden auf dem Gelände des Citydome – Parkplatzes 40 zusätzliche Stellplatze errichtet. Diese Parkplätze stünden der Allgemeinheit, also nicht ausschließlich Kinobesuchern, zur Verfügung. Außerdem seien in den Parkplätzen P1 und in der Kufsteiner Straße neben dem Modepark Röther erfahrungsgemäß regelmäßig freie Plätze zu finden.
Parkhäuser: Bei
Frauen wenig beliebt
Allerdings sind Parkhäuser, so die Erfahrung einiger BRK-Parkwächter, nicht bei allen Autofahrern beliebt. «Vor allem Frauen ziehen freie Flächen vor. Auch wenn ihr Auto da weniger geschützt ist. Sie fühlen sich dort sicherer.»
Gaßl hat jetzt an das Christkind nur noch einen großen Wunsch: «Eine geniale Idee, wie wir das finanzielle Loch wieder stopfen können.» wu

























